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Otto Hanus Veröffentlichung in Kurskontakte Nr.
14 "Rivalität": Im lateinischen "con-correre" bedeutet es zusammen laufen, mitlaufen. Das kann man mit dem Bild eines Wettlaufs verbinden bei dem mindestens zwei ohne Beziehung nebeneinander her in dieselbe Richtung laufen. Warum machen sie das? Um festzustellen, wer von beiden schneller ankommt. Nicht das Ziel ist dabei von Bedeutung, sondern die Überlegenheit. Es geht auch nicht darum festzustellen, wessen Lauf besser oder schlechter ist; es geht einzig darum, wer als erster ankommt. Was ist der Sinn einer solchen Konkurrenzveranstaltung?
Leistung wird vergleichbar gemacht, und der so ge- Eine so verstandene Konkurrenz als Wettkampf macht aber
nur dann Sinn, wenn alle daran Beteiligten die gleichen Ausgangsbedingungen
haben, und dasselbe tun. Ein konkurrierender Wettlauf zwischen Behinderten
und nicht Behinderten wäre völlig ohne Sinn. Auch das Ziel muss für alle
dasselbe sein. Denn: Die Individualität von Bedürfnissen und Zielen
ermöglicht keine Konkurrenz. Würde man sich an individuellen Unterschieden
ori- Der Beste in diesem Spiel konkurrierenden Wettbewerbs ist derjenige, der das vorgegebene Ziel am schnellsten erreicht. Daraus leitet sich der Zweck der Konkurrenz in unserem sozialen System ab. Der einzige, der größte, der bekannteste, preiswerteste, anerkannteste Anbieter von etwas am Markt zu sein. Es geht darum, diejenigen Mittel und Möglichkeiten zu finden, mit denen man dieses Ziel vor allen Anderen erreicht. Wenn sich daran etwas ändert, sind es selten die Ziele,
sondern die Vorgehensweisen, wie man das Ziel errei- Die philosophische Voraussetzung für dieses Konkurrenzverhalten im sozialen Feld stammt von Adam Smith, der gesagt hat: "Wenn jeder Mensch ausschließlich seinen egoistischen Interessen folgt, wird daraus für alle das Bestmögliche entstehen". Daran sollte gezweifelt werden. Konkurrenz. Wettkampf. Kampf. Wofür wird gekämpft? Um welchen Kampf geht es? - Der Kampf der Lebewesen um knappe materielle (oder
ideelle) Güter Miteinander, oder gegeneinander. Das ist die Frage. Die Evolutionstheoretiker sagen uns,
dass das rüde
Gegeneinander, bei dem sich der Einzelne oder die Gruppe um jeden Preis
gegen die Anderen durchzusetzen versucht, ein natürlicher Zustand des Lebens
wäre. Der grö- Vielleicht ist es vor diesem gedanklichen Hintergrund
nicht uninteressant einige allzu simplifizierte Vorstellun- Konkurrenz als Mittel zur Lebenserhaltung des Einzelnen oder einer Gruppe ist eine unbarmherzige Methode, die nichts mit Kultur zu tun hat. Deshalb müssen wir an dieser Stelle fragen: Verstehen wir uns als Menschen als "natürliche", oder als "kultürliche" Lebwesen? Verstehen wir uns als domestizierte Raubaffen? Oder sind wir daran interessiert zu etwas Menschlichem zu mutieren? Leben wir tatsächlich ein einer Welt in der es unbedingt
erforderlich ist erbarmungslose Strategien des sich Konkurrierens
anzuwenden? Ist es "natürlich" seine Mitmenschen als Konkurrenten zu
betrachten? Ist es tat- Ist die Konkurrenzkampf wirklich ein naturgegebenes
Fundament für soziales Zusammenleben? Adam Smith Offenbar ist es nicht besonders sinnvoll dorthin zu
rennen, wo alle anderen auch hin wollen, um zu sehen wer der Schnellste und
Erste ist. Darin entfaltet sich nicht die Kreativität des individuellen und
sozialen Lebens. Selbstverständlich würde es auch niemandem nutzen, so zu
tun als würde es das Gegeneinander nicht geben, das es de facto gibt, weil
es Menschen gibt. Es würde jedoch nützlich sein, sich um ein ausgewogenes
Ver- In jedem Fall wäre es ein Fehler, wenn man die Konkurrenz
als das einzige und allein gültige Beziehungsmus- Die Psychologie der sogenannten "männlichen" Tugenden lässt sich in unserer Gesellschaft auf das Muster der Konkurrenz zurückführen. Wer ist der Schnellere und Stärkere? Sei der Erste! Gib nicht nach! Hole dir, was du haben willst! Macht den Sieger unter euch aus! Man muss sich von allen anderen abgrenzen, um selbst eine Bedeutung zu haben. Es ist eine Top-Down Psychologie der Macht in der das Männliche seine Selbstidentität über den Konkurrenzkampf erfährt. Die Psychologie sogenannter "weiblicher" Tugenden ist
anders. Sie entwickelt sich nicht über Abgrenzung und Konkurrenz, sondern
über Zustimmung, Kooperation, Austausch und Übereinstimmung. Wenn es stimmt,
dann haben Frauen psychologisch mehr Probleme mit Konkurrenz als Männer. Das
hat möglicherweise damit zu tun, dass Frauen tendenziell eher an Beziehung,
am Miteinander und an Harmonie interessiert sind, Männer dage- Wir verändern die Welt indem wir die Möglichkeiten des Lebens, seine biologischen, psychischen und geistigen Möglichkeiten entfalten und kultivieren. Das beruht nicht auf Konkurrenz, nicht auf Wettkampf. Wenn es um die Entfaltung, um die Kultivierung des Menschlichen im Menschen geht, brauchen wir den Freiraum in dem wir uns zwischen Konkurrenz und Kooperation entscheiden können. Immerzu wird uns suggeriert, dass sozialdarwinistische Konkurrenz ein Ausdruck von Freiheit sei für deren Aufrechterhaltung man unbedingt kämpfen müsste. Genau besehen ist sie jedoch das Gegenteil. Sie ist eine Fesselung, ein gefangen Sein im irrationalen Zwang als Erster ein Ziel erreichen zu müssen. Es gehört zu den Regeln dieses gesellschaftlichen Spiels, dass der bzw. diejenigen, die am gierigsten und geizigsten sind, das Spiel gewinnen, weil jeder der weniger gierig und geizig ist auf der Strecke bleiben muss. Das Konkurrenzdenken beeinflusst nahhaltig das Verhältnis
der Menschen zueinander und behindert eine Kulti- Diese Überlegungen führen uns zum Lernen als eine soziale Kultur bildende Anlage des Menschen. Kein Mensch wird nämlich mit Konkurrenzdenken und den damit verbundenen Spielregeln geboren. Ebenso wenig wird der Mensch mit Kooperationskultur geboren. Das Eine muss ebenso wie das Andere gelernt werden. Man lernt es im Elternhaus und in der Gesellschaft. Es liegt also an uns, ob wir uns konkurrieren oder lieben kooperieren wollen. Die weiterführenden gedanklichen Schritte, die man den
gesundheitsfördernden Berufen wünschen könnte, sollten in die Richtung der
Kooperation führen. Konkurrenz - Mobbing ist deren übelste Variante - macht
den Menschen krank. Sie hält ihn im Zustand seiner domestizierten
Raubaffennatur fest und verhindert seine Vermenschlichung, die sich in
mitfühlender Teilhabe entfaltet.
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