Forum für Analytische und Klinische Kunsttherapie
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Praxis Fallbeispiele

Arbeitsbeispiel eines kunsttherapeutischen Verlaufs mit der Methode des objektfreien Zeichnens

Kunsttherapeutin (HPG) und Autorin: Maria Thomaser

Sie sehen die Arbeit mit einer 40 jährigen Klientin. Dauer: 12 Sitzungen zu je 90 Minuten.

Die meisten Bilder entstanden als Hausaufgaben außerhalb der Therapiezeit. Die Aussagen der Klientin sind nicht wörtlich zitiert, sondern auf das Wesentliche redu-
ziert worden. In dieser reduzierten Falldarstellung sehen Sie den Zusammenhang
von Bildsprache und Kommunikation.

Das Anliegen der Klientin, nach dem ersten Gespräch

"Ich möchte mich innerhalb meiner Familie besser abgrenzen können."

Erste Bildaufgabe

"Zeichnen Sie ein Bild, wie Sie Ihr Abgegrenztsein innerhalb Ihrer Familie erleben."





Die Klientin sagt dazu

"Im Bild zeigt sich ein Kampf von gegensätzlichem Erleben. Zum Einen möchte ich mich nicht zeigen; ich bin unklar und möchte keine Stellung beziehen. Zum Anderen
ist da aber auch meine Kreativität, aber auch Distanz und Aggression."

Das Anliegen der Klientin, nach der Besprechung dieses Bildes

"Ich möchte in aller Ruhe zu mir stehen können."

Zweite Bildaufgabe

"Zeichnen Sie ein Bild davon, zu was Sie gerne stehen möchten."





Die Klientin sagt dazu

"Ich möchte in aller Ruhe zu meiner Abgrenzung stehen. Ich bin mit dieser Form der Abgrenzung noch unzufrieden. Sie ist mit Zweifeln verbunden und führt dadurch zu Selbstverletzungen."

Das Anliegen der Klientin, nach der Besprechung dieses Bildes

"Ich möchte zu meinen aggressiven und kämpferischen Eigenschaften stehen können."

Dritte Bildaufgabe

"Gestalten Sie ein Bild von ihren aggressiven kämpferischen Eigenschaften; und zwar so, daß Sie damit zufrieden sind."





Die Klientin sagt dazu

"Das Aggressive erlebe ich unterschiedlich. Ein Teil (links) geht nach außen und zeigt sich eher konstruktiv.
Ein anderer Teil (rechts) wirkt nach innen - nach einer für mich konstruktiven Handlung: das ist wie eine Keule, mit der ich mich selbst erschlage."

Das Anliegen der Klientin, nach der Besprechung dieses Bildes

"Ich möchte das Konstruktive in meiner Aggression als eine Ressource gegen meine Keule nutzen."

Vierte Bildaufgabe

"Zeichnen Sie ein Bild von ihren konstruktiven Möglichkeiten Ihrer Aggression, und
zwar so, daß Sie dazu vorbehaltlos JA sagen können."





Die Klientin sagt dazu

"Dabei erlebe ich mich positiv. Ich bin mir der Aggression bewußt, die ich gegen mich selbst richte und
steuere dagegen an."

Das Anliegen der Klientin, nach der Besprechung dieses Bildes

"Ich möchte endlich einmal meinen Fähigkeiten vertrauen können."

Fünfte Bildaufgabe

"Zeichnen Sie ein Bild von einer Situation, in der Sie diese Fähigkeit schon einmal erlebt haben."





Die Klientin sagt dazu

"Ich kennen solche Situationen, in denen ich meinen Fähigkeiten vertraue. Aber sie
sind nicht von Dauer. Ich misstraue der Freude und verzweifle in Gedanken daran."

Das Anliegen der Klientin, nach der Besprechung dieses Bildes

"Ich möchte Freude dauerhafter erleben können."

Sechste Bildaufgabe

"Zeichnen Sie Ihr Erleben von Freude, bevor es durch Ihr zweifelndes Denken zerstört wird."





Die Klientin sagt dazu

"Dieses Erleben von Freude ist wenig vertraut. Die Energien sind an die zweifelnden Gedanken gebunden."

Das Anliegen der Klientin, nach der Besprechung dieses Bildes

"Ich muß zur Ruhe kommen, dann kann ich den zweifelnden Gedanken besser begegnen."

Siebente Bildaufgabe

"Zeichnen Sie ein Bild von ihrem Selbsterleben bei Ruhe."

Das Thema dieses siebenten Bild wird nicht besprochen, sondern ein anderes, das die Klientin von sich
aus gezeichnet und mitgebracht hat





Die Klientin sagt dazu

"In diesem Bild sehe ich meine positiven und meine negativen Eigenschaften. Die negativen erlebe ich in mir als grenzüberschreitend. Das sind Eigenschaften, die ich
gut kenne. Ich erlebe sie dann, wenn ich gegen mich selbst aggressiv bin."

Das Anliegen der Klientin, nach der Besprechung dieses Bildes

"Ich möchte die destruktiven Eigenschaften nicht mehr über meine Grenzen kommen lassen."

Achte Bildaufgabe

"Zeichnen Sie ein Bild von dem Moment, in dem Sie die destruktiven Eigenschaften über Ihre Grenze kommen lassen."





Die Klientin sagt dazu

"Ich hatte Widerstände während des Zeichnens. Ich wollte nicht destruktiv gegen mich selbst sein. Durch meine Selbstzweifel werte ich mich ab. Dadurch erhalten die destruktiven Eigenschaften Macht."

Eine wichtige Aussage der Klientin, nach der Besprechung dieses achten Bildes

"Während des Zeichnens habe ich erlebt, daß es da etwas gibt, was unterstützenswert ist. Aber da ist auch Angst."

Neunte Bildaufgabe

"Zeichnen Sie den Gedanken - ich bin es wert, daß ich mich unterstütze."





Die Klientin sagt dazu

"Ich habe viel Energie in dieses Bild gegeben. Ich hatte Lust, etwas neues zu probieren. Dabei geht es um Umgrenzungen, Hervorhebungen und Verstärkungen meiner Eigen-schaften. Wichtig ist mein Erleben von Vitalität und Lebendigkeit."

Das Anliegen der Klientin, nach der Besprechung dieses Bildes

"Ich möchte meine Vitalität und Lebendigkeit mehr zulassen können; aber es gibt da diese innere Grenze."

Zehnte Bildaufgabe

"Zeichnen Sie ein Bild von dieser Grenze, die verhindert, dass Sie Ihre Vitalität zulas-sen können."





Die Klientin sagt dazu

"Es gibt zwei Grenzen mit unterschiedlichen Qualitäten. Die äußere ist starr. Als Schutz ist sie untauglich. Die innere ist dünn, aber fest. Es gibt viele positive Eigen-schaften in diesem Bild, die ich viel mehr einsetzen sollte."

Das Anliegen der Klientin, nach der Besprechung dieses Bildes

"Ich möchte eine geeignetere Form der Abgrenzung, um dem Destruktiven besser begegnen zu können."

Elfte Bildaufgabe

"Verbinden Sie die Grenze mit all den positiven Eigenschaften, die Sie in diesem Bild erlebt haben."





Die Klientin sagt dazu

"Ich brauche Ruhe, damit ich dem Destruktiven besser begegnen kann. Ich muss mir bewußt machen, was mich interessiert. Ich sortiere, ich höre auf meine innere Stimme. Dadurch grenze ich mich klar nach außen und nach innen ab."

Das Anliegen der Klientin, nach der Besprechung dieses Bildes

"Ich möchte das positive Erleben zulassen, das ich durch diese Form des Abgrenzens erlebt habe."

Zwölfte Bildaufgabe

"Gestalten Sie Ihre innere Abgrenzung so, dass Sie auch für das positive Erleben erreichbar sind."





Die Klientin sagt dazu

"Das positive Erleben kann mich erreichen, wenn ich mir die Sabotage-Vorgänge meines Denkens bewusst mache. Dann kann ich zulassen, daß mich etwas positiv berührt - dann lasse ich einen Austausch zu. Ich kann mich dann mitteilen, und mich auf Beziehung einlassen."

Fazit

Für die Klientin hat sich in der Zwischenzeit folgendes verändert:

- Ihre Beziehung zur Tochter hat sich gebessert
- Eine klare Abgrenzung in einer Situation, die für die Klientin sehr wichtig war, ist möglich geworden
- Das Erleben von Freude hat sich intensiviert
- Der bewusstere Umgang mit Aggression hat positiv erlebte Energie freigesetzt



© by Maria Thomaser, München 1998

Anschrift

Maria Thomaser
Zechstraße 45
82067 Zell-München

MariaThomaser@compuserve.de

 
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