Forum für Analytische und Klinische Kunsttherapie
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Praxis Fallbeispiele
 

Objektfreie Collagenmethode im Rahmen eines Projekts zur Berufsorientierung
für junge Arbeitslose


Johanna Mihaiu (Kunsttherapeutin, Forum A.K.T.)
 

Anzahl der Teilnehmer

10 Teilnehmer zwischen 18 und 24 Jahren, arbeitslos, fast alle mit Migrationshintergrund ohne berufliche Orientierung.

Dauer der Gruppenarbeit - setting

1 x 180 Minuten

Thema

Einzelarbeit aus objektfreien Farbschnipseln, die aus Blättern von Malübungen ausgeris-sen oder ausgeschnitten worden sind.

Ziel dieser Arbeit

Im Rahmen eines 5-tägigen Orientierungsworkshops für junge Arbeitslose, die persönli-chen Fähigkeiten und Neigungen entdecken, erleben und verankern. Hier handelt es sich um den zweiten Tag dieses Orientierungsworkshops. Die persönlichen Fähigkeiten und Neigungen sind die wichtigste Voraussetzung, um sich wieder in die Arbeitswelt integrie-ren zu können. Mit den erworbenen Erkenntnissen über sich selbst, wird mit den Teilneh-mern in den darauf folgenden Tagen eine individuelle, realistische berufliche Zukunftsper-spektive erarbeitet. Die Teilnehmer werden anhand ihrer Neigungen und Fähigkeiten z.B. in eine nachgeschaltete Maßnahme zur beruflichen Qualifikation vermittelt.

Vorbereitungsarbeiten - Schnipsel herstellen / Fragebogen erstellen

Als Grundlage für diese Arbeit dienen objektfreie farbige Schnipsel, die keine gegenständ-liche Bedeutung haben.

Zur Unterstützung dieser Arbeit habe ich einen Fragebogen erstellt. In diesem Fragebogen sollen die Teilnehmer ihre persönlichen Stärken und Schwächen aufschreiben, die sie für sich entdeckt haben. Dieser Fragebogen wird erst nach der gestalterischen Arbeit ausge-teilt und kann während der anschließenden Besprechung durch Rückmeldungen der Grup-pe ergänzt werden. Dieser Fragebogen kann als Unterstützung für die nächsten Tage des Orientierungsworkshops mitgenommen werden.

Erste Aufgabe

Damit die Teilnehmer einen besseren Zugang zu diesen Schnipseln finden, schneiden und reißen sie selbst Schnipseln aus farbigen Papieren. Dauer ca. 10 bis 15 Minuten.

Zweite Aufgabe

Jeder Teilnehmer der Gruppe sollte sich aus dem vorliegenden Haufen 3 Schnipsel aussu-chen, die ihm gefallen und 2 Schnipsel, die ihm nicht gefallen

Dritte Aufgabe

Die Teilnehmer sollen die ausgesuchten Schnipseln auf einem DIN A 4 Papier so anord-nen, dass sie damit zufrieden sind. Die Schnipseln werden auf dem Papier geklebt.

Vierte Aufgabe

Das Blatt mit den vorliegenden Kreiden gestalten und ein Bild daraus erstellen. Die Teil-nehmer sollten so lange zeichnen und malen, bis sie mit dem Ergebnis zufrieden sind.

Fünfte Aufgabe

Nun werden die Fragebögen ausgeteilt. Anhand des Bildes, durch Bildbetrachtung und Selbstreflexion während des Gestaltungsprozesses, sollen die Teilnehmer ihre persönli-chen Stärken und Schwächen aufschreiben.

Besprechung in der Gruppe

Jedes Bild wird einzeln aufgehängt. Jeder Teilnehmer hat die Möglichkeit selbst über das Bild, über die gefundenen Stärken und Schwächen zu sprechen. Anschließend werden folgende Fragen an die Gruppe gestellt:

„Was gefällt euch an dem Bild und welche Stärke verbindet ihr damit? Könnt ihr noch weitere Stärken in dem Bild entdecken?“

Somit bekommt der Teilnehmer eine große Auswahl an Rückmeldungen, die er für sich prüfen und mitnehmen kann. Damit die positiven Rückmeldungen von der Gruppe nicht verloren gehen, kann der der Fragebogen ergänzt werden. Der Mensch wird bereichert
und motiviert.

Einige Rückmeldungen zu den Bildern

Der Teilnehmer sagte

Im Bild sehe ich Perfektion, Genauigkeit und Phantasie. Das habe ich auch erfahren..

Die Gruppe gab dazu folgende Rückmeldungen

„Er könnte sehr genau sein und genau arbeiten.“
„Da ein Auto zu sehen ist, könnte er Schnelligkeit lieben, vielleicht ist er auch schnell.“
„Er sprengt den gegebenen Rahmen, er macht mehr aus den Sachen“.
„Da steckt Kraft und Power dahinter.“
„Mir gefallen die schwarz-weiß Striche. Er hat sie sehr genau gemalt.“

Der Teilnehmer sagte

Unten ist die böse Schlange, oben der Vogel, der ist frei, links eine Faust, aber auch Natur.

Die Gruppe gab dazu folgende Rückmeldung

„Mir gefällt der Vogel. Er könnte freiheitsliebend sein.“
„Die Faust gefällt mir. Könnte für mich bedeuten, dass sich der Mensch gut verteidigen kann, dass er weiß was er will und nicht will.“
„ Er könnte auch sehr sensibel sein, wenn man die Striche im Hintergrund sieht.“
„ Die rote Schlange unten ist für mich wie Boden unter den Füßen“.

Der Teilnehmer sagte

„Ich habe bis heute meine Schwächen nicht gekannt. Vermutlich ist das auch der Grund, warum ich keine Bestimmung finde. Jetzt weiß ich, dass ich auch eine dunkle Seite ha-be, bin auch manchmal unentschlossen. Ansonsten habe ich herausgefunden, dass ich phantasievoll bin.“

Die Gruppe gab dazu folgende Rückmeldung

„Mir gefällt das Schwarze sehr gut. Das steckt viel Entschlossenheit und Kraft dahinter.“
„Mir gefällt links das Bild. Ist sehr weich, sensibel gemalt.“
„Das Rot ist stark unten. Das könnte eine Quelle sein, woraus er schöpft.“

Weitere Bilder aus dieser Arbeit


 

Schlussbemerkungen

Die Teilnehmer waren positiv überrascht über die Wirkung der Farbschnipseln und den damit verbundenen Erkenntnisse. Es herrschte am Ende dieser Stunden Staunen und Begeisterung, jeder fühlte sich bereichert und motiviert.

Viele der Teilnehmer gaben an den Träger dieses Projektes positive Rückmeldungen wei-ter und die meisten davon haben oder sind gerade dabei einen Weg in die Arbeitswelt für sich zu finden.
 

 
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