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Abstract Miriam
Richter Die Kunsttherapie hat bislang vor allem im teilstationären Bereich der
psychiatrischen Rehabilitation große Erfolge erzielt. Im ambulanten Bereich
gibt es dagegen noch wenig kunsttherapeutische Angebote. Das liegt unter anderem
an der letzten Gesundheitsreform, da die Kosten für Kunsttherapie (nach Kraus,
2003, S.36 und S.173) seitdem von
den Krankenkassen nicht mehr übernommen werden, im Gegensatz zu anderen Ländern
Europas. Hier wird aus meiner Sicht an der falschen Stelle gespart, denn
Kunsttherapie im ambulanten Bereich kann dazu beitragen, einen stationären
Aufenthalt zu verhindern und somit Kosten zu vermeiden. Es entsteht ein
Teufelskreis, da durch geringe ambulante Betreuung höhere Kosten im stationären
Bereich entstehen können. Dies führt wiederum zu Kostensenkungen und das
ambulante Angebot wird weiter eingeschränkt bzw. die Vergütung gesenkt. Durch das Aufzeigen des Nutzens der Kunsttherapie in der ambulanten psychiatrischen Rehabilitation kann dieser Kreislauf durchbrochen werden und eine Argumentation kann gegenüber den Krankenkassen erreicht werden. Hierzu soll die vorliegende Arbeit einen Beitrag leisten. Außerdem erfährt der Leser, wie die Kunsttherapie im Be- reich der ambulanten psychiatrischen Rehabilitation wirkt und wirken kann und mit welchen kunsttherapeutischen Methoden eine depressive Klientin ganz konkret Fortschritte macht. Die Kunsttherapie, insbesondere die verhal- tensorientierte Kunsttherapie hat in diesem Fall eine sehr gute Wirkung gezeigt. Die
vorliegende Arbeit betrachtet anfangs die theoretischen Grundlagen der
ambulanten psychiatrischen Rehabili- tation und der Kunsttherapie als eine der möglichen
Behandlungsmethoden. Darauf aufbauend wird eine kunst- therapeutische
Einzelarbeit mit einer depressiven Klientin als Falldokumentation anhand von elf
Sitzungen beschrie- ben. Diese Prozessarbeit bildet den Schwerpunkt dieser
Arbeit. Meine Schlussfolgerung der theoretischen Betrachtungen von Kapitel 2 und 3 ist, dass die Kunsttherapie als Be- handlungsmethode gerade in der ambulante psychiatrischen Rehabilitation so wirkungsvoll ist, weil sie die Betroffe- nen intensiv bei einer aktiven und kreativen Lebensbewältigung unterstützt und somit die Wiedereingliederung in das alltägliche Leben fördert. Gerade beim (Wieder)erlernen eines strukturierten Tagesablaufes kann die Kunsttherapie unterstützend eingesetzt werden, da sie verhaltensorientiert ist und auf eine Verhaltensänderung beim Klienten ab- zielt. Anspruch der Kunsttherapie ist, das Gestalten als Medium in die sozialen und gesundheitlichen Hilfen einzu- bringen und sie dafür verfügbar zu machen. In der Falldokumentation in Kapitel 4 wird diese
Schlussfolgerung aus Kapitel 2 und 3 bestätigt. Es zeigt sich, dass ein Nutzen
der Kunsttherapie darin liegt, genau diese Wiedereingliederung des erkrankten
Menschen in die Ge- meinschaft zu unterstützen. Meiner Klientin wird geholfen,
sich eine verbesserte Zukunftsperspektive in den Berei- chen Leben in
Beziehungen, Wohnen, Arbeit und Tagesstruktur, Lebensunterhalt, Teilnahme am
sozialen Gefüge Die ärztliche Betreuung einschließlich der
Psychopharmaka ist je nach Befindlichkeit des Patienten mehr oder we- niger von
Bedeutung. Eine meiner weiteren Erfahrungen zeigt, dass die ärztliche Therapie
meist dringend erforderlich ist, doch ohne die Wiedereingliederung in das Leben,
ohne Wiedererlernen eines strukturierten Alltagslebens der Patient kaum eine
Chance hat, wieder ein nach seinen Bedürfnissen adäquates Leben zu führen. Je
besser der psy- chisch behinderte Mensch seine Grundversorgung bewältigt, desto
autonomer und selbstbewusster wird er. Das verleiht ihm Kraft für weitere
Schritte in Richtung Heilung für Körper, Geist und Seele. Abschließend stelle ich, insbesondere durch meine
praktische Arbeit mit einer depressiven Klientin und dem dabei erzielten,
ausgezeichneten Behandlungserfolg, fest, dass die Kunsttherapie als ambulante
psychiatrische Rehabilita- tion eine hervorragende, nachhaltige
Behandlungsmethode darstellt. Schlüsselwörter Ambulante psychiatrische Rehabilitation, Kunsttherapie, Einzeltherapie, Prozessarbeit, Depression, Abschied, Tod, Sinnsuche, Lebensplanung, Orientierung, Stabilisierung, Alltagsbewältigung, Tagesstruktur, Verhaltensänderung, Autonomie, Verantwortung, Selbstständigkeit, Erwachsen werden. (c)
by Mirim Richter 2009 |