Abstract Ressourcenorientierte Kunsttherapie mit salutogenetischem Ansatz Mathilde Recksiek-Bentele
Inhalt dieser Arbeit ist der ressourcenorientierte Ansatz in der Kunsttherapie bei der Behandlung von traumatisierten Menschen, unter Berücksichtigung des salutogenetischen Modells. Nach einem persönlichen Vorwort folgt eine Einleitung mit bestimmten Fragestellungen, die innerhalb der Arbeit behandelt und beantwortet werden. Inwieweit ist es möglich durch kunsttherapeutische Maßnahmen traumatisierte Menschen zu stabilisieren und bietet diese Therapie auch eine tragfähige Unterlage für das weitere Leben dieser Klienten? Lässt sich diese Arbeitsweise auch bei Klienten mit anderen Diagnosen erfolgreich anwenden? Nach einer Abgrenzung zu anderen ressourcenorientierten Themen, wie der therapeutische Humor, die Freude in der Therapie, der Logotherapie von V. Frankl und der buddhistischen Achtsamkeit werden zum besseren Verständnis themenbezogene Definitionen erläutert: Diese Begriffe sind
Gesundheit Daraufhin erfolgt die Vorstellung des salutogenetischen Modells nach Aaron Antonovsky, einem Medizinsoziologen. Salutogenese – Gesundheitsentwicklung- entstehung als Konzept, das Kräfte beschreibt, die dem Menschen helfen, seine ganz individuelle Gesundheit zu entwickeln. Nach einer Darstellung des sprachlichen Hintergrunds wird die Geschichte der Salutogenese beschrieben. A. An- tonovsky prägte diesen Begriff, seine Hypothesen begründete er stets auf statistische Untersuchungen. Anhand einer bestimmten Studie, der Anpassung von Frauen an die Menopause, wird seine salutogenetische Fragestellung er- läutert: nicht - was macht krank, sondern wodurch bleibt man gesund?
Antonovsky vermutete die Ursachen für die
Fähigkeit gesund zu bleiben in den gesundheitsbildenden Ressourcen Um diese neue Denkweise, den Versuch eines Paradigmenwechsel zu veranschaulichen wird nun kurz Krankheit, Pathogenese und Gesundheit, Salutogenese erläuternd gegenübergestellt, versinnbildlicht durch Asklepios, Gott der Heilkunst und Hygieia, als Schutzpatronin für die Menschen, die Lebenskunst und Lebensführung kultivieren.
Nun ergibt sich die Fragestellung: „Wodurch
entsteht Gesundheit? Wiederum A. Antonovsky prägte den Begriff
comprohensibility: Verstehbarkeit als kognitive
Komponente, warum etwas geschieht
Festgestellt wird nun, dass der salutogenetische
Ansatz den anderen Pol zum pathgogenetischen Ansatz darstellt. Der
salutogenetische Ansatz eignet sich für nahezu alle Therapien, manchmal als
Ergänzung, manchmal als Priorität, wie z. B. in der Stabilisierungsphase von
traumatisierten Personen. Salutogenese wird nicht als neue Therapieform, andere
Perspektive gesehen, als erfolgter Paradigmenwechsel, d.h. nicht nur zu fragen:
“Was macht krank?“ son- Als Versuch einer Antwort wird eine erklärende Beschreibung der Entwicklung von Gegenbildern, die die Schreckensbilder verdrängen, bzw. ersetzen sollen nach P. Levine vorgestellt. „Die Entstehung des Traumawirbels und des heilenden Gegenwirbels“. Weiterhin wird festgestellt, dass die kunsttherapeutische Arbeit in der Stabili- sierungsphase der Therapie mit traumatisierten Menschen nun vor allem darin besteht, das Gegengewicht gegen die Schreckensbilder zu verstärken. Der Schreckenswelt sollen eine innere Gegenwelt entgegengestellt werden. Stabi- lisierungsarbeit als Ich – stärkende Maßnahme durch Sichtbarmachung von innerpsychischen Ressourcen. Hierfür gibt es zu berücksichtigende Voraussetzungen. Wichtig hierbei ist das Arbeitsbündnis zwischen Therapeut/in und Klient/in. Welche Fragen und Erwartungen stellen sich auf beiden Seiten wird nun in einem weiteren Unterpunkt untersucht. Wie sollen außerdem die Therapieziele aussehen, ausgehend von dem Sachverhalt, daß ein traumatisiertes Ich kein Normal-Ich bildet. Nun folgen einige kunsttherapeutische Maßnahmen: das Aussortieren und Verpacken von Bildern mit traumatischen Inhalten als sichtbare und eindrückliche Strukturierung von Schreckensbildern und kräftespendenden Gegenbildern. Die Darstellung, bildlich oder in Ton, sowohl vom „inneren, sicheren Ort“, der Platz, an dem man sich sicher und geborgen fühlen kann, ein innerer Zufluchtsort, an dem man geschützt ist und Kraft tanken kann, wenn die Probleme überhand nehmen, Als auch von den „inneren Helfern“ als hilfreiche Gestalten in schwierigen Lebenssituationen, erläutert am Beispiel eines Archetyps, der „alten Weisen“. Und der liebevollen Arbeit mit dem „inneren Kind“ oder „jüngerem Ich“, das früher erheblich verletzt wurde. Auch dieses imaginative Heilverfahren wird bildlich dargestellt. Ziel dieser Übungen ist unter anderem die Hilfe zur Selbsthilfe, die Unabhängigkeit des Klienten von der Fürsorge des Therapeuten. Vorteil der Kunsttherapie ist hier, dass die Bilder nicht nur auf der „Inneren Bühne“ geschaffen werden, sondern real sichtbar werden. Kraftraubende Muster werden durch kraftgebende ersetzt, um die weiter zu unterstützen werden nun allgemein Ressourcen als Möglichkeit zur Veränderung und Steigerung der Lebensqualität thematisiert. Ressourcen als kraftspendende Energien, auf die zugegriffen werden kann, wenn ein Konflikt zu lösen ist und daraus ein konstruktives Erleben entstehen soll. Meist liegen jedoch die Ressourcen brach; um sie zu ent- decken, kann der Therapeut mit verschiedenen Methoden helfen. Um gezielten Zugang zu diesen Reservoirs zu bekommen bietet sich eine kunsttherapeutische Ressourcenarbeit an, konzipiert am A.K.T. Emotional und rational bewusst Gewordenes aus bildnerischen Sequenzen wird verbal verdichtet und in einem schriftlichen Konzentrat verankert. Als Überleitung zum praktischen Teil der Arbeit wird nun die Psychiatrische Tagesklinik, Lindau im Bodensee vor- gestellt. In dieser Einrichtung wurde die Klientin, die im folgenden Kapitel vorgestellt wird, teilstationär über einen längeren Aufenthalt behandelt. Einen großen Teil der Arbeit nimmt der praktische Teil ein. Prozess- und Bildbe- schreibung, mit jeweils folgender Reflexion und Interpretation der kunsttherapeutischen Maßnahmen in 31 Sitzungen mit Frau M. schildern den Therapieverlauf während einer Stabilisierungsphase nach einem flash-back in dem ihr die Traumatisierung durch den Vater bewusst geworden ist. Das kunsttherapeutische Setting bestand aus der Teilnahme an einer Gruppe mit jeweils individuellen Aufgaben- stellungen und einer Einzeltherapie in wöchentlicher Wiederholung.
Zur Veranschaulichung dieser therapeutischen
Maßnahmen dienen 51 Fotos von größtenteils bildlichen Darstel- lungen der
Klientin. Bezugnehmend auf die eingangs gestellten Fragen wird eine Antwort gegeben und diese mit kunsttherapeutischen Mitteln untermauert. Anhand von 6 Baumdarstellungen erfolgt im Gespräch mit Frau M. eine letzte Schlussbe- trachtung über ihre psychische Entwicklung. Abschließend kann zuletzt festgestellt werden: - dass es möglich ist durch ressourcenorientierte,
kunsttherapeutische Maßnahmen Klienten mit einem posttrauma-
tischen
Belastungssyndrom zu stabilisieren |