Abstract
Die
kunsttherapeutische Begleitung eines an Angst-
und Zwangsstörungen leidenden Mädchens
Michaela Peter
Schlüsselwörter
Aggression,
Angst, Ich-Entwicklung, Krankheitsgewinn, Kunsttherapie, Ressourcen, Schatten,
Schuld, Selbstwert, Urvertrauen, Wut, Zwang
Diese Arbeit zeigt in ihrem Hauptteil in dokumentarischer Form die kunsttherapeutische Einzelbegleitung eines elfjährigen Mädchens während einer akuten Krise. Ängste und Zwänge bestimmten den Alltag dieses Mädchens. Die ganze Familie war an den Grenzen der Belastbarkeit angelangt und selbst dann bedurfte es noch einiger Überzeugungsarbeit, dass es heilsam, ratsam, absolut notwendig und ganz und gar nicht beschämend ist, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen.
Theoretische Hintergründe zur Krankheitsentstehung, die äußeren Gegebenheiten der Klientin und die kunsttherapeutische Arbeitsweise, so wie das therapeutische Selbstverständnis der Verfasserin sind der Dokumentation vorangestellt.
Die Scheu davor, sich in psychischen Nöten medizinische und therapeutische Hilfe zu suchen, ist nach wie vor erschreckend groß. Es gibt eine große Dunkelziffer an Menschen, die es trotz massiver Beeinträchtigungen vorziehen, mit ihren Störungen zu leben, als sich der Gefahr auszusetzen, als psychisch krank stigmatisiert zu werden.
Besonders schwer trifft dies Kinder und Jugendliche, die selbst noch nicht in der Lage sind, sich Hilfe von außen zu holen und auf die elterliche Fürsorge angewiesen sind. Scheuen diese Eltern den Gang zum Arzt oder Therapeuten, dann verfestigen sich im Kind möglicherweise Symptome und stören die Entwicklung wichtiger Kompetenzen nachhaltig. Das hat neben den innerfamiliären Konflikten oft weit reichende Folgen für das betroffene Kind. Die schulische Laufbahn, die berufliche Ausbildung und damit der Schritt zu einem selbst bestimmten und eigenständigen Leben werden somit nicht selten dauerhaft erschwert.
„Angst kennt jedes Kind, und Angst gehört zur normalen Entwicklung eines Kindes. Moderne epidemiologische Studien weisen jedoch eindringlich darauf hin, dass Ängste nicht nur `Kinderkram´ sind, sondern zu klinisch bedeutsamen Angststörungen werden können, die erhebliches Leid für das Kind oder den Jugendlichen und seine Familie bedeuten. Darüber hinaus ist heute unbestritten, dass Angststörungen zu den häufigsten psychischen Störungen des Kindes- und Jugendalters gehören und ein bedeutender Risikofaktor für das Auftreten von Angst-, affektiven und Abhängigkeitsstörungen im Erwachsenenalter sind.“ (S.Schneider, 2004, S.VII)
Mag diese Arbeit auch einen Einzelfall beschreiben, so zeigt sie doch exemplarisch Methoden auf, die in relativ kurzer Zeit eine Stabilität bei der Klientin bewirkt haben und es ihr ermöglichten, wieder aktiv das eigene Leben zu gestalten.
Die Ergebnisse der Forschung zeigen, dass sich eine Kombination von medikamentöser und verhaltenstherapeutischer Therapie bei Angst- und Zwangsstörungen als wirkungsvollste Methode zur Behandlung dieser Störungen bewährt hat. Wie ich in der Arbeit erläutern werde, zähle ich die von mir praktizierte Form von Kunsttherapie zu den verhaltenstherapeutischen Maßnahmen. Somit bietet sie sich als Therapieform für diese Störungsbilder an. Einen enormen Vorteil in der Kunsttherapie sehe ich vor allem darin, dass sie auch für Kinder- und Jugendliche eine hervorragende Plattform bietet, am eigenen Verhalten zu arbeiten, ohne dass es nötig ist, die oft gefürchtete Exposition als Methode einzusetzen.
In der folgenden Dokumentation wird ersichtlich, dass es oft kleine, unspektakuläre Schritte sind, die Verhalten ändern oder Neues bewirken können. Das Wesentliche geschieht oft zwischen den Sitzungen, wenn sich das in den Sitzungen erprobte Verhalten im Alltag bewährt.
Mag sein, dass die besondere Konstellation in diesem Fall, die sich aus der persönlichen Verbindung zur Klientin ergibt, einiges ausschließt, um es als allgemeingültig darstellen zu können. Dafür brachte diese gegebene Situation einen erheblichen zeitlichen Vorteil, da ich den Kontakt zur Klientin und zu ihrer Familie nicht erst aufbauen musste.
Nach dem beschriebenen Prozess bleiben einige Fragen offen, die im Schlussteil aufgezeigt werden. Themen, die in der konkreten Arbeit nicht, oder nur am Rande aufgegriffen wurden, die sich aber im Laufe der Erstellung dieser Arbeit als bedeutsam für die Therapeutin zeigten, finden sich ebenfalls am Ende dieser Arbeit.
(c) by
Michaela Peter