Abstract
Eine Forschungsreise durch den Dschungel des Erkennens
Erwachsen-sein bedeutet mehr
Ursula Habbicht
Shakespeare sagt, die ganze Welt sei eine Bühne und wir seien lediglich die Schauspieler in einem großen Stück.
Sich seine Rolle in diesem Stück, dem Leben, klar zu werden sich evtl. davon zu lösen, bzw. diese Rolle bewusst zu spielen ist ein Prozess der anzuschauen sich lohnt.
Sich zu entwickeln aus der Kindheit über die Adoleszenz hinaus ins Erwachsenenalter ist ein Weg, den jeder Mensch auf seine Weise geht. Jeder einzelne verfolgt seinen individuellen Lebensplan in der Welt, kreiert seine individuelle Landkarte, auf der er sich bewegt.
Je bewusster man sich dessen wird und je mehr jeder sein SEIN erforscht, desto eher lässt sich ein roter Faden entdecken, an dem entlang man sich orientieren kann und somit eine Ahnung dessen bekommen, wer man ist. Geprägt durch Glaubensmuster und Annahmen über sich selbst steht jeder agierend in der Welt.
Ich halte es für sinnvoll, sich mit dem Wissen über das Phänomen der Identitäten, der Schichten, die sich über das eigentliche Wesen gelegt haben, zu beschäftigen, um die ursprüngliche Lebenskraft und Ausrichtung wieder zu entdecken.
Den eigenen Lebensplan zu erkennen kann ein wesentlicher Schritt zur Heilung auf allen Ebenen sein. Je klarer und bewusster die eigenen Strukturen und Handlungsmuster, "inneren Sätze" und Motivationen sind, desto freier kann sich der Mensch bewegen. Er ist nicht gebunden, nicht „verhaftet“ auf Handlungen durch die Außenwelt in nur einer Form zu reagieren. Er kann frei entscheiden wie und mit welcher Perspektive er sich im Alltag bewegt. Diese innere Freiheit kann z.B. bei innerseelischen Konflikten zu Entlastung und Entspannung führen.
Die Wandelbarkeit, die Entwicklungsfähigkeit des Menschen, die selbst-verantwortliche Steuerung soll hier aufgeführt werden. In diese Arbeit fließt das Thema des "Erwachsen-Werdens" ein. Es wird auf die Selbst-, die Eigenverantwortung im Denken und Handeln, und somit auch im Empfinden appelliert.
In dieser Arbeit werden Methoden erläutert, mit Hilfe derer die Klientin/der Klient erkennen kann, dass sie/er mit Vorstellungen und Glaubenssätzen über sich in der Welt steht, die eben lediglich "nur" Vorstellungen sind.
Diese sind im Laufe der Sozialisation durch das Umfeld auferlegt, haben sich mehr oder weniger tief eingeprägt.
Es können zum Beispiel einschränkende Konzepte und Bilder über sich und die Welt sein die einem glauben machen, daß man nicht geliebt ist, daß man unfähig ist etc. Mit dieser Sichtweise, dieser Brille, durch die Welt gehend werden einem genau diese Erfahrungen immer wieder gespiegelt und das Muster verfestigt sich. Dies gilt es aufzulösen.
Diese Denkstrukturen zu überprüfen ist im therapeutischen Rahmen möglich und meines Erachtens als Basis einer erfolgreichen Langzeittherapie nötig.
Durch das Erkennen dieser Muster, besteht also die Chance in der adäquaten Situation, innerlich Abstand zu nehmen. Vielleicht spielerisch, als Beobachtender seiner selbst. Der Klient kann nun selbst entscheiden, ob diese oft einschränkende Annahme ihre Gültigkeit behalten soll oder ob sich vielleicht eine andere, wesenseigene Denkweise oder Handlungsstruktur durchsetzen kann. Zunächst geht es jedoch darum diese zu erkennen.
Dazu sind Methoden, die das Herausfiltern der Lebenspläne unterstützen und
Die Skriptarbeit ist hier als Grundlage ausgeführt, um Glaubensmuster und gespeiste Annahmen über sich selbst zu erkennen.
Es werden neben dem Bildmaterial die wesentlichen Kernsätze herausgearbeitet. Durch das Malen erinnerter Geschichten in verschiedenen Lebensabschnitten lassen sich tief eingeprägte Muster herausfiltern. Es gibt Verknüpfungen zur eigenen Lebensrealität, die in den erinnerten Geschichten ihren Ausdruck finden und die offenbar noch existieren. Da der Klient sich erinnert deutet das auf eine Resonanz im eigenen Lebensplan hin.
Der Klient erarbeitet die Themen der Bildgeschichten und eruiert die jeweiligen Zuschreibungen und Einschärfungen die er aus seiner Kindheit kennt. Das können Sätze und Aufforderungen sein wie: "Du bist so…", "sei nicht so….
Daraus lassen sich die inneren Sätze des Klienten erkennen aus denen sich im nächsten Schritt das eigene Lebensskript ableiten läßt. Ist dieses Skript formuliert und vergegenwärtigt, ist es heilsam dieses meist negativ formulierte Skript nach einer gewissen Zeit nochmals zu betrachten. Jetzt kann sich der Klient die innere Erlaubnis geben die negativen Glaubenssätze umzukehren. Durch diesen Drehtüreffekt eröffnet sich dem Klienten oft eine völlig neue Lebensperspektive, die plötzlich sehr nahe liegend, logisch und als selbst-verständlich erscheint. Er kann nun nach und nach in diese hineinwachsen.
Diese Form der Ressourcenarbeit ist eine Form für einen Einstieg in die kunsttherapeutische Einzelarbeit.
Ein weiterer Ansatzpunkt ist die Heilungsarbeit mit dem so genannten "Inneren Kind".
Dieser bezieht sich auf die Gefühle, die man als Kind hatte und die niemals zurechtgerückt wurden. Der Klient wurde vielleicht von den Eltern, Lehrern, etc. seelisch verletzt, hat sich vielleicht ungeliebt gefühlt, wurde nicht umsorgt, wurde verlassen, zurückgestoßen oder beschämt. Wenn die Erwachsenen die dem Kind etwas bedeuten, nicht unterstützen diese Probleme zu lösen, nimmt es die entstandenen Wunden mit ins Erwachsenendasein. Es hat dann den Anschein, als ob das emotionale Wachstum auf der Ebene des Kindes stehen geblieben ist.
Während die Kinder groß werden und den Körper und die geistige Fähigkeit von Erwachsenen bekommen, arbeiten ihre Emotionen noch immer auf der Ebene der Kindheit. Wenn sie also von anderen Erwachsenen verletzt, kritisiert, zurückgewiesen etc. werden reagieren sie als Erwachsene mit Kindheits-Problemen. Sie laufen z.B. davon, ziehen sich zurück oder bekommen einen Wutanfall.
Der Krisenschmerz reißt die Wunden der Kindheit von neuem auf, und sie durchlaufen als Erwachsene immer wieder denselben Kummer. Bei jeder Verletzung vergrößert sich die Narbe der Wunde. Anstatt zu heilen wird das Trauma immer größer, und manche werden so übersensibel, dass sie eine Neurose entwickeln, in der sie mit Erwachsenenprobleme nicht mehr umgehen können.
Sich mit dem inneren Kind und all seinen Bedürfnissen vertraut zu machen, sich diesem als liebevoller Erwachsene zu widmen, kann für den Klienten ein sehr heilsamer, liebevoller Weg zu sich selbst sein. Auf Reaktionen in der Außenwelt kann nun angemessen gehandelt werden.
In der Therapie wird die Hinführung zu den Kind-Identitäten z.B. durch eine vom Therapeuten geführte innere Reise ermöglicht. Der Klient lässt, ähnlich wie im "katathym-imaginativen Bildererleben" nach H. Leuner oder der „Aktiven Imagination“ nach C. G. Jung, innere Bilder aufsteigen, die Emotionen auslösen können. Durch die angeleitete Reise erfährt der Klient seine kindlichen ungeliebten Anteile und kann diesen neu als liebevoller Erwachsener begegnen und sich dadurch selbst heilen. Wenn die Emotionen intensiv gespürt werden, entstehen Energien zum Handeln. Diesen Energien Form, Farbe und Gestalt zu verleihen mittels gemalter Bilder unterstützt den Prozess maßgeblich mit. Die Fähigkeit das Leben schöpferisch zu gestalten kann erlebt werden und wirkt sich somit auf den Gesamtheilungsprozess des Klienten aus.
Die Forschungsreise durch den Dschungel des Erkennens kann zu einem aufregenden Abenteuer sowohl für den Klienten, als auch für den begleitenden Therapeuten werden. Es ist ein Weg der Ganzwerdung, der Heilwerdung, ein Weg der Reifung, denn Erwachsen sein bedeutet mehr…!
(c) by Ursula Habbicht