Abstract
Kunsttherapie mit desorientierten und alten Menschen
Diesen Platz suchte ich mir für mein Praktikum, da ich davon ausging, dass dem Alter und den damit verbundenen Veränderungsprozessen und der Demenz mit kunsttherapeutischen Methoden begegnet werden kann. Dieser Aufgabe wollte ich mich stellen.
Ich gehe davon aus, dass zu unserem Menschsein Leid und Krankheitserfahrungen
gehören. In der Therapie, egal welcher Art, haben wir die Möglichkeit, vielem zu
begegnen, indem wir das, was uns das Leben schwer macht, betrachten, es
verarbeiten oder in unser Leben integrieren. Orientierten Menschen ist es
möglich, Verarbeitungs- Menschen, die dement und damit zunehmend orientierungslos sind, bleiben diese Möglichkeiten der Lebensbe- wältigung versagt.
Hier hat Therapie die Aufgabe, andere Möglichkeiten zu finden, um den
betroffenen Menschen zu unterstützen.
Ein Ziel während meines Praktikums war es herauszufinden, wie und mit welchen
kunsttherapeutischen Methoden der Demenz etwas entgegengesetzt werden kann.
Damit verbunden war die Annahme, dass Erkrankte, deren kognitiven Fähigkeiten
verschwinden, auf emotionaler, sinnlicher und seelischer Ebene berührbar sind.
Eine weitere Annahme war, dass Bilder, genauso wie Gegenstände, Töne oder
bestimmte Handlungsabläufe Erinnerungen hervorrufen, die emotional besetzt sind.
Ich ging ebenso davon aus, dass der Umgang mit Stiften, Pinsel und Far-
Im Laufe meines Praktikums habe ich mich auf unterschiedlichsten Ebenen mit dem
Thema "Kunsttherapie im Al- tenheim" auseinandergesetzt. Ich habe mich in der Zeit
intensiv mit den Themen "Altern" und "Demenz" beschäftigt, verschiedenste
Therapieansätze betrachtet, mir manche Ansätze angeeignet und versucht, sie in
meinen Umgang
Aus diesem Themenkomplex ergaben sich auch ganz praktische Fragen: Wann ist für
die kunsttherapeutische Gruppe im Tagesverlauf die beste Zeit, welcher Raum ist
angemessen und welches Setting bietet sich an? Viele Überlegungen, die die
Kunsttherapie betreffen, gingen der Arbeit voraus: Welche Farben sind
angebracht, wenn das Sehvermögen nachlässt und die Funktionen der Hände
eingeschränkt sind? Welche alternativen Materialien stehen zur Verfügung?
Welches Bildmaterial macht für die "Rezeptive Kunsttherapie" Sinn, wenn die
Mehrheit
Der Arbeitsprozess war geprägt von unterschiedlichsten Erfahrungen. Zu Beginn
meiner Tätigkeit überfrachtete Auf Grund der ständigen Reflektion und der Beobachtung meines Arbeitsprozesses, der kunsttherapeutischen Gruppe und deren einzelnen Mitglieder, wurden Methoden verändert, neue entwickelt und auf solche, die sich als nicht fördernd und nicht praktikabel erwiesen, verzichtet.
Unterstützend empfand ich die Zusammenarbeit mit dem Psychogerontologen des
Hauses, in dem ich tätig war,
Die Gruppe bekam im Lauf der neun Monate einen festen Platz im Stationsablauf
und im individuellen Wochen- verlauf der Teilnehmenden. Die orientierten
Teilnehmer und Teilnehmerinnen der Gruppe entschieden sich freiwillig für die
Teilnahme, die desorientierten Menschen blieben gerne in der Gruppe. Für die
meisten der teilnehmenden Personen konnte im Lauf der Zeit ein adäquates
Arbeiten ermöglicht werden, manche blieben der Gruppe nur eine bestimmte Zeit
lang erhalten, andere nahmen dauerhaft an der Gruppe teil, falls es ihnen auf
Grund ihrer körperli- Bilder, die zur Verfügung standen, weckten Erinnerungen, die Integration der Bilder in Collagen unterstützte diesen Prozess. Manche Personen konnten Themen, Emotionen und Erinnerungen verbalisieren, in besonders gelungenen Gruppensituationen führten sie zu einem Gespräch der Teilnehmenden untereinander.
Der Umgang mit Farben, für manche vertraut, für andere wiederentdeckt,
ermöglichte es, Ideen, Gedanken, Träu- Eine Grunderfahrung in dieser Zeit des Praktikums war, dass sich mein Erleben von Demenz, von Alterungspro- zessen und dem damit verbundenen Abbau von Fähigkeiten, veränderte. Auch wenn mich immer wieder einzelne Schicksale erschütterten und betroffen machten, ich konnte sehen, wie sich Menschen - wenn auch nur kurzfristig - positiv verändern, wenn ihnen in einer guten Beziehung und einer angemessenen Gruppensituation adäquate kunst- therapeutische Angebote gemacht werden und sie dadurch die Möglichkeit erhalten, ein Stück ihres Lebens, ihrer Gefühle und ihrer Berührbarkeit zu zeigen.
(c) by
Susanne Fellmann-Horsch |